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Throwback: Weihnachten wie es früher war

Kolumne Throwback Kindheit: Weihnachten wie es früher war @Horizont-Blog, Saskia Katharina Most

1993 – Zu dieser Zeit gab es für mich im Dezember nichts Wichtigeres als das Öffnen der Türen des Adventskalenders. Gleich morgens, direkt nach dem Aufstehen, noch im Schlafanzug und mit ungekämmten Haaren, habe ich täglich ein Türchen geöffnet. Dahinter verbarg sich ein einfaches Stück Vollmichschokolade. Es war im Grunde nichts Besonderes. Von einer Tafel Schokolade hätte ich wahrscheinlich wesentlich mehr gehabt. In der Form eines Weihnachtsmotives war dieses Stück Vollmilchschokolade für mich jedoch von großer Bedeutung. Mit jedem Stückchen Schokolade kam Weihnachten schließlich näher.

Als Kind kam mir der Dezember so unfassbar lang vor. Die Zeit bis das Christkind kam, zog sich wie Kaugummi. Heute, über zwanzig Jahre später, sitze ich hier, schreibe diesen Text und habe aber den Eindruck, dass die Zeit wie im Flug vergeht. Es war doch gerade erst November und nun sitzen wir schon mit unseren Lieben unter dem Tannenbaum, um uns gegenseitig zu beschenken. Habe ich mir als Kind gewünscht, dass die Tage schneller vergehen, so wünsche ich mir inzwischen, dass die Zeit in solch wundervollen Momenten einfach stehen bleibt. Wahrscheinlich erinnere ich mich genau aus diesem Grund gerne an meine Kindheit zurück – Vor allem habe ich unser traditionelles Weihnachtsfest in guter Erinnerung. 

Wir durften unser Zimmer nicht verlassen

Kolumne Throwback Kindheit: Weihnachten wie es früher war @Horizont-Blog, Saskia Katharina MostEs war der 24. Dezember. Der Tag, an dem Heilig Abend war. Während Papa im Wohnzimmer den Weihnachtsbaum schmückte und Mama den Lendentopf für das Essen vorbereitete, durften wir unser Zimmer nicht verlassen. Es sei denn natürlich eine von uns musste auf die Toilette. Was wir selbstverständlich auffällig oft mussten. Wir hofften so schließlich das Christkind auf frischer Tat zu erwischen. Auf etwas anderes konnten wir uns nur schwer konzentrieren. Zwar versuchten wir miteinander zu spielen, aber im Grunde waren wir dafür viel zu aufgeregt. Da half die Hörspielkassette „Bibi Blocksberg und die Weihnachtsmänner“ auch nicht wirklich. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich die Geschichte um die kranken Weihnachtsmänner, die von der kleinen Hexe Bibi und ihrer Freundin Marita am Nordpol gepflegt wurden, schon so oft gehört, dass ich sie inzwischen sogar mitsprechen konnte. Einzig das alte schwarzweiß Fernsehen von Opa konnte uns ein paar Minuten ablenken. Empfangen konnte man damit gerade mal drei Sender. Es war auch nicht besonders groß. Für uns aber ein echtes Highlight. Mit etwas Glück konnten wir damit Heidi schauen. Den alten Klassiker aus 1952.

Eine schöne Tradition,
die ich beibehalten möchte

Und dann war es endlich soweit: Gemeinsam liefen wir in die Kirche, um den Kindergottesdienst zu besuchen und uns das Krippenspiel anzusehen. Später spielte ich sogar drei Jahre lang beim Krippenspiel mit. Erst war ich die Tochter des Geschichtenerzählers, dann ein Hirte und zum Schluss sang ich im Engelschor. Während ich beim Krippenspiel zu gesehen habe, habe ich immer wieder versucht durch die Kirchenfenster nach draußen zu blicken. Allein, dass es in der Zwischenzeit draußen dunkel wurde, hatte in diesem Augenblick etwas magisches. Zu Hause angekommen, mussten wir noch einmal in unser Zimmer. Was sich für andere anhört, als wäre es taktlos, ist zurückblickend eine der schönsten Traditionen, die ich für meine Kinder gerne beibehalten möchte. Das Zimmer durften wir nämlich erst wieder verlassen, wenn das Glöckchen läutete. Wir waren natürlich mucksmäuschenstill. Darauf bedacht, den großen Augenblick nicht zu verpassen.

Kolumne Throwback Kindheit: Weihnachten wie es früher war @Horizont-Blog, Saskia Katharina MostPlötzlich stand da im Wohnzimmer dieser riesige Weihnachtsbaum. Geschmückt mit roten Kugeln und goldenem Lametta, funkelte und glitzerte es überall. Ich weiß noch, wie unfassbar edel und wertvoll er mir in diesem Moment vorkam. Darunter lagen kleine und große Geschenke. Allsamt liebevoll verpackt mit Schleife und eins schöner als das andere. Neben dem Weihnachtsbaum war die Krippe aufgebaut, die Papa einst von seinem Patenonkel zur Kommunion bekommen hat. Mein Papa baute die Krippe auf wie andere ganze Eisenbahnlandschaften. Jedes Jahr kam ein neues Teil hinzu. Ich wusste gar nicht, wohin ich als Erstes schauen sollte: Auf den prachtvollen Weihnachtsbaum, die schönen Geschenke oder die detaillierte Krippe?

Bevor wir uns gegenseitig bescherten, musste jeder von uns aber entweder etwas singen oder ein Gedicht aufsagen. Selbst ich mit meinen damals vier Jahren konnte meinen Eltern und meiner Schwester dank meiner Oma eine Kleinigkeit schenken. Bereits Anfang Dezember ist meine Oma dafür jedes Jahr mit mir in die Stadt gefahren. Es war nicht viel. Ein Duschgel und ein paar Socken für Papa, für Mama ihre Lieblings-Bodylotion von Betty Barclay und für meine Schwester ein weiteres Buch von „Der Trotzkopf“. Ich war aber so unfassbar stolz darauf.

Kolumne Throwback Kindheit: Weihnachten wie es früher war @Horizont-Blog, Saskia Katharina Most

Das schönste Geschenk

Und heute? Hetzen die Menschen nur so durch die Weihnachtszeit, um das perfekte Weihnachtsgeschenk zu finden. Je näher der Heilig Abend rückt, desto mehr geraten sie unter Druck. Es soll größer, besser und schöner sein. Alle möchte sich selbst übertrumpfen. Das wertvollste Geschenk, welches man einem Menschen schenken kann, kann man aber weder in einem Kaufhaus kaufen, noch per Mausklick bestellen. Es ist die Zeit. Ich war bloß so stolz auf die Geschenke, die ich meinen Eltern und meiner Schwester geschenkt habe, weil ich sie selbst besorgt hatte. Das war aber bloß dank meiner Oma möglich. Sie hat mir ihre Zeit geschenkt und ist mit mir in die Stadt gegangen. Und das Beste daran ist, dass jeder es ihr gleich tun kann und Zeit verschenken. Dafür bedarf es keinen Reichtum oder ein bestimmtes Alter. Das einzige Problem ist, dass man heutzutage gar nicht mehr daran denkt. Dabei wird die Zeit umso wertvoller, wenn wir sie mit anderen teilen.

Warum verschenken wir deshalb nicht einfach mal Zeit?

8 Kommentare Neues Kommentar hinzufügen

  1. Karolina sagt:

    Ach danke für diese Erinnerung! Ich bin 1983 geboren und bei mir war es auch so. Ich habe dem Nikolo noch meine Wundchbriefe geschrieben die ich aus dem Fenster gehängt habe. Als die am nächsten Tag weg waren wusste ich dass mein Brief beim Weihnachtsmann angekommen ist. 😉
    Glg Karolina

  2. Linni sagt:

    Hallöchen,
    ich verschenke sogar sehr oft gemeinsame Zeit, da ich auch finde, dass wir alle zu wenig davon haben. Vor allem für meine Freunde und Familie finde ich, ist es das beste Geschenk! Dein Beitrag gefällt mir richtig gut!

    Liebst Linni

  3. Milli sagt:

    Der Beitrag ist wirklich schön und erinnert daran was Weihnachten für uns als Kinder war. Ich denke wir Erwachsene sollten versuchen Weihnachten auch mal wieder mit Kinderaugen zu betrachten und das Fest einfach nur genießen. Auch ein weniger aufwendiges Essen ohne viel Vorbereitung.kann super schmecken, solange man nur mit seinem Lieben zusammen ist.

    Liebe Grüße, Milli

  4. Oh, ich bin von den klassischen Müttern! Obwohl ich Weihnachtsschmuck liebe, stellen wir den Baum immer im letzten Moment auf. Das Christkind bringt dann die Geschenke kaum steht der Baum wie von Zauberhand.
    Wir mussten dies so machen, da die Kinder von anderen erzählt bekamen, dass alle Eltern den Weihnachtsbaum schmücken und nicht das Christkind. Deswegen sind wir mit den Geschenken so verblieben.

    Schöne Erinnerungen hast du hier geteilt!

    LG
    Muriel

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